Gemeinsame Werte brauchen Märkte
Uns motiviert, wenn aus gemeinsamen Werten verlässliche Prozesse und daraus regionale Märkte entstehen. Wenn der Wunsch nach mehr regionaler Wertschöpfung in konkrete Handelsstrukturen übersetzt wird, die im Alltag funktionieren und wirtschaftlich tragfähig sind.

Ein auf große Warenströme optimierter Markt
Der Lebensmittelmarkt ist auf große Volumen, standardisierte Sortimente und überregionale Warenströme ausgerichtet. Gebündelte Beschaffung, zentrale Lager und weitreichende Liefernetze ermöglichen eine flächendeckende Versorgung. Diese Strukturen funktionieren besonders gut, wenn vergleichbare Produkte über wenige Lieferanten und feste Wege verteilt werden.
In Deutschland gibt es über 250.000 landwirtschaftliche Betriebe. Gleichzeitig kontrollieren die vier größten Unternehmensgruppen rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Auf der Erzeugungsseite stehen damit viele dezentrale Betriebe stark konzentrierten Handelsstrukturen gegenüber.
Auch der Lebensmittelgroßhandel ist überwiegend auf umfangreiche Sortimente, größere Bedarfe und planbare Lieferstrukturen ausgerichtet. Gebündelte Bestellungen, feste Touren und eine hohe Auslastung der Logistik ermöglichen es, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und Handel zuverlässig zu versorgen.
Unternehmen verbessern vor allem die Bereiche, in denen sie bereits erfolgreich sind. Für große Marktteilnehmer bedeutet das: mehr Volumen bündeln, Abläufe vereinheitlichen, Liefergebiete ausweiten und bestehende Strukturen besser auslasten. An diesen Kriterien richten sich Investitionen, Prozesse und Entscheidungen aus.
Bei kleinteiligen regionalen Märkten verschiebt sich die Aufgabe. Die Sortimente vieler kleiner Anbieter müssen erfasst, saisonale Verfügbarkeiten abgestimmt und Lieferungen für überschaubare Bestellmengen organisiert werden.
Diese Anforderungen passen nur begrenzt zu Strukturen, die für große und standardisierte Warenströme entwickelt wurden. Der Koordinationsaufwand ist im Verhältnis zum einzelnen Auftrag häufig hoch.
Dadurch bleiben regionale Märkte unterorganisiert, obwohl Angebot und Nachfrage vielerorts vorhanden sind. In dieser Lücke beginnt die Arbeit der Regiothek.
Gemeinsame Werte reichen noch nicht
Viele Akteure in der regionalen Lebensmittelwirtschaft verfolgen ähnliche Ziele. Sie wollen regionale Wertschöpfung stärken, Herkunft nachvollziehbar machen, kleinere Betriebe einbinden und verlässliche Beziehungen zwischen Erzeugung und Beschaffung schaffen.
Gemeinsame Ziele führen jedoch nicht automatisch zu funktionierenden Märkten.
Ein Erzeuger führt seine Produkte in einer eigenen Liste. Ein anderer führt das Sortiment online auf. Eine Küche organisiert ihre Beschaffung über Telefonate und E-Mails. Eine regionale Initiative pflegt Kontakte in Tabellen. Sortimente, Verfügbarkeiten und Liefermöglichkeiten liegen an unterschiedlichen Stellen und werden individuell abgestimmt.
Mit jedem neuen Anbieter, Produkt oder Abnehmer steigt der Koordinationsaufwand. Wo vorhandenes Angebot und vorhandene Nachfrage wegen fehlender gemeinsamer Prozesse nicht zusammenfinden, entsteht unserer Ansicht nach eine Marktlücke. Genau hier setzt die Regiothek an: Wir übersetzen gemeinsame Werte in gemeinsame Prozesse.
Gemeinsame Prozesse machen regionale Wertschöpfung tragfähig
Regionale Wertschöpfung braucht Abläufe, die regelmäßig funktionieren. Dazu gehören strukturierte Betriebs- und Produktdaten, aktuelle Sortimente, nachvollziehbare Bestellwege, koordinierte Lieferungen und eine praktikable Abrechnung.
Die Regiothek führt diese Aufgaben in einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur zusammen. Betriebe werden sichtbar und können ihre Produkte anbieten. Gewerbliche Einkäufer finden regionale Sortimente und können sie bestellen. Regionale Partner erhalten ein Werkzeug, um Märkte vor Ort aufzubauen und weiterzuentwickeln.
Betriebs-, Produkt- und Herkunftsinformationen werden strukturiert zusammengeführt. Dadurch werden regionale Verbindungen und Lieferbeziehungen nachvollziehbarer. Das stärkt Vertrauen und macht regionale Wertschöpfung verständlich.
Der wirtschaftliche Nutzen entsteht, weil der Aufwand für Suche, Abstimmung, Bestellung und Abwicklung sinkt. Handelsbeziehungen werden wirtschaftlich möglich, deren manuelle Organisation bisher zu aufwendig war. Aus gemeinsamen Werten kann so ein verlässlicher Markt entstehen.
Das Potenzial liegt in der Übertragbarkeit
Jede Region bringt andere Betriebe, Produkte und saisonale Bedingungen mit. Die grundlegenden Aufgaben ähneln sich jedoch.
Anbieter müssen gewonnen und Sortimente erfasst werden. Gewerbliche Abnehmer brauchen einen verlässlichen Zugang. Bestellungen, Lieferwege und Zuständigkeiten müssen bebündelt werden.
Dafür entwickeln wir Technologie, standardisierte Prozesse und ein übertragbares Vorgehensmodell. Lösungen aus einer Region fließen in die gemeinsame Plattform ein. Neue Funktionen stehen anschließend auch anderen Regionen zur Verfügung. Erfahrungen aus dem Aufbau eines regionalen Markts verkürzen den Weg beim nächsten.
Die einzelne Region ist der konkrete Ort der Umsetzung. Viele regionale Märkte nutzen dieselbe technische und organisatorische Grundlage.
Mit jeder weiteren Umsetzung wächst das Wissen darüber, welche Prozesse funktionieren und welche digitalen Werkzeuge benötigt werden. So entsteht aus vielen regionalen Märkten ein übertragbares Modell.
Ein fokussierter Einstieg in einen großen Markt
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel erzielte 2024 einen Umsatz von rund 210 Milliarden Euro. Hinzu kommen Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und weitere gewerbliche Absatzwege. Allein das Marktvolumen der Gemeinschaftsverpflegung wird auf rund 18 Milliarden Euro geschätzt.
Regionalität ist in diesem großen Markt ein wichtiges Kriterium. Im Ernährungsreport 2024 gaben 77 Prozent der Befragten an, beim Einkauf darauf zu achten, dass Lebensmittel aus ihrer Region kommen. Gleichzeitig verstehen viele Menschen Regionalität sehr kleinräumig: 65 Prozent erwarten, dass Erzeugung und Verarbeitung höchstens 100 Kilometer vom Verkaufsort entfernt sind.
Der Wunsch nach regionalen Lebensmitteln trifft damit auf einen Markt, dessen Strukturen vor allem für große und überregionale Warenströme entwickelt wurden. Für den Handel innerhalb eines engen regionalen Radius fehlen vielerorts gemeinsame Prozesse für Sortimente, Bestellungen, Lieferungen und Abrechnung.
Schon ein kleiner Anteil dieses Gesamtmarkts kann ein wirtschaftlich bedeutendes Segment bilden. Unser Einstieg erfolgt bei kleineren Warenströmen, regionalen Sortimenten und vielen dezentralen Akteuren.
Die Regiothek schafft die Infrastruktur, mit der sich diese schwer zugänglichen Märkte organisieren lassen. Unser Ansatz beginnt regional und wird mit jeder Region stärker, die dieselben Prozesse und dieselbe Infrastruktur nutzt.
Wenn aus gemeinsamen Werten Märkte werden
Wir sehen, dass die Voraussetzungen vielerorts bereits vorhanden sind: Erzeuger, Produkte, Nachfrage und der Wunsch nach mehr regionaler Wertschöpfung.
Wir schaffen die Prozesse, die diese Elemente miteinander verbinden. So entstehen Märkte, in denen regionale Lebensmittel regelmäßig, transparent und wirtschaftlich gehandelt werden können.
Genau daran arbeiten wir. Und jeder gelungene Schritt motiviert uns.
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Unsere Motivation
Was uns antreibt: regionale Märkte so zu stärken, dass sie resilienter, sichtbarer und handhabbarer werden. Neue Marktstrukturen, Innovation und Technologie sind für uns dabei Teil der Antwort.

Die Sache mit der Resilienz
Resilienz im Ernährungssystem ist mehr als eine Frage der Produktion. Ob Versorgung unter Druck funktioniert, hängt auch davon ab, ob regionale Märkte organisiert sind und Angebot und Nachfrage effizient zusammenfinden. Was uns dabei antreibt.

Unsere Vision
Regionale Lebensmittelnetzwerke sollen überall einfacher funktionieren. Denn Regionalität scheitert oft nicht an den Menschen und Werten, sondern an den Prozessen. Deshalb bauen wir die digitale Infrastruktur dafür.


